Nachhaltige Stadtentwicklung: Amsterdam will sich transformieren

Amsterdam will sich nach der Coronavirus-Krise grundlegend transformieren. Mithilfe des so genannten „Donut-Modells“ soll ein Rahmen für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt geschaffen werden.

Ziel des Modells ist, die Bedürfnisse der Menschen auszubalancieren, ohne dabei die Umwelt zu schädigen. Die holländische Hauptstadt ist die erste Stadt der Welt, die sich auf dieses Modell einlässt, wodurch sie zu einer Art wirtschaftlichem Experiment wird.

Die Vision Amsterdams, „eine blühende, regenerative und integrative Stadt für alle Bürger zu sein und dabei die Grenzen des Planeten zu respektieren“ wurde vergangene Woche verabschiedet. Dabei wendet die Stadt das so genannte „Donut-Modell“ an, das von der Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth von der Universität Oxford entwickelt wurde.

In einem Interview mit der britischen Zeitung „The Guardian„, das vor der Bekanntgabe der Entscheidung stattfand, sagte Amsterdams stellvertretende Bürgermeisterin Marieke van Doorninck: „Ich denke, es kann uns helfen, die Auswirkungen der Krise zu überwinden.“

Donut-Modell: Rahmen für nachhaltige Entwicklung 

Das Ziel wirtschaftlicher Aktivität solle darin bestehen, die Kernbedürfnisse aller zu befriedigen, aber innerhalb der Möglichkeiten des Planeten. „Es mag seltsam aussehen, dass wir über die Zeit danach sprechen“, aber als Regierung könne man nicht zum Status quo zurückkehren, so van Doorninck.

Raworth verkleinerte ihr Modell, um Amsterdam mit einem „Stadtporträt“ zu versehen, das zeigt, wo Grundbedürfnisse nicht erfüllt und „planetarische Grenzen“ überschritten werden. Es demonstriert, wie die Themen miteinander verknüpft sind. „Es ist nicht nur eine hippe Art, die Welt zu betrachten“, erklärt Van Doorninck und führt die Immobilienkrise als Beispiel an.

Immobilienkrise in Amsterdam als Beispiel

Die Wohnbedürfnisse der Bewohner werden zunehmend nicht befriedigt: Fast 20 Prozent der Stadtmieter können ihre Grundbedürfnisse nicht mehr decken, nachdem sie ihre Miete bezahlt haben, und lediglich zwölf Prozent der rund 60.000 Online-Bewerber für Sozialwohnungen waren erfolgreich.

Eine Lösung könne darin bestehen, mehr Häuser zu bauen. Dies würde laut dem „Donut-Modell“ jedoch zu mehr Kohlendioxidemissionen führen. Laut Van Doorninck plane die Stadt daher eine Regulierung, um sicherzustellen, dass die Bauherren möglichst oft recycelte und biobasierte Materialien wie Holz verwenden. Der Donut-Ansatz ermutige die politischen Entscheidungsträger allerdings auch, einen Blick über den Tellerrand zu werfen.

Von der Idee des Wachstums zum ‚Gedeihen‘

Als Teil der neuen Vision werde auch geprüft, wie sich der Hafen Amsterdams von der Abhängigkeit fossiler Brennstoffen lösen kann. Auch soll es eine Debatte darüber geben, ob er ein Ort sein soll, an dem Produkte gelagert werden, die durch Kinderarbeit oder andere Formen der Ausbeutung der Arbeitskraft hergestellt werden.

Zum Hintergrund: Der Hafen von Amsterdam ist der weltweit größte Einzelimporteur von Kakaobohnen, meist aus Westafrika, wo die Arbeitskraft oft stark ausgebeutet wird.

„Die Welt erlebt eine Reihe von Schocks und Überraschungseffekten, die es uns ermöglichen, von der Idee des Wachstums zum ‚Gedeihen‘ überzugehen, so Raworth. „Gedeihen bedeutet, dass unser Wohlergehen im Gleichgewicht liegt.“

Photo by Adrien Olichon on Unsplash

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